Fischen ist eines der beliebtesten Hobbys der Schweizer

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«Kaum jemand im Nationalrat ist sich bewusst, dass das Fischen nicht nur das Hobby von ein paar wenigen, etwas kuriosen Einzelgängern ist. Es ist Volkssport und eines der beliebtesten Hobbys der Schweiz.»

Interview mit der Schweizer Fachzeitschrif für Fischer
Petri-Heil – Ausgabge 12/2016:

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«Petri-Heil»: Lukas Reimann, um es ganz zu Beginn zu klären: Bist du aktiver Sportfischer?

Lukas Reimann: Leider noch nicht. Aber ich habe Fischer unter meinen Freunden, die ihre grosse Leidenschaft mit mir teilen. Den Moment, als ich zum ersten Mal einen Fisch an der Angel hatte, werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen. Natürlich informieren mich meine Freunde auch in Sachen Fischereipolitik, damit ich richtig abstimme, beispielsweise, wenn im Nationalrat abgestimmt wird über einen griffigen Massnahmenplan gegen die unsägliche Kormoran-Plage. Wenn wieder mehr Freizeit übrig bleibt, möchte ich zudem unbedingt den SaNa machen.

 

Du hast bereits im Jahr 2013 die Motion «Zulassung der Regenbogenforelle» im Nationalrat eingegeben. Sie hatte zum Ziel, dass die Regenbogenforelle bei uns «in allen dafür geeigneten Gewässern» eingesetzt werden darf. Wie kam es zu dieser Motion?

Der Rheinfischerverein hat mich kontaktiert und auf die absurde Situation mit der Regenbogenforelle hingewiesen. Das hörte sich spannend an und so traf ich mich persönlich mit dem sympathischen und sehr engagierten Vereinsvorstand. Aus diesen Gesprächen entstand die Motion und mein politischer Einsatz.

 

Nun ist die Regenbogenforelle ja ein Fisch, den es ursprünglich in den Schweizer Gewässern nicht gegeben hat. Wie kommt ausgerechnet ein SVP-Nationalrat dazu, deren «Einbürgerung» (Originalausdruck aus der Motion) zu fordern?

1895 bereits wurde die Regenbogenforelle im damaligen Fischerei- und Gewässergesetz erwähnt und es gab sogar eine Schonzeit für sie. Sie hat die einheimischen Tiere nicht verdrängt, wie befürchtet wurde und leider noch immer wird. In vielen Ländern, wo sie zugelassen ist (notabene Nachbarstaaten, die sich zusammen mit der Schweiz verschiedene Gewässer teilen), hat sie einheimische Fische nicht verdrängt, sondern es gibt ein Miteinander. Und wenn einheimische Fische doch verschwunden sind, gab es dafür andere Gründe, wie Umweltverschmutzung, schlechte Wasserqualität oder halt Kanalisierungen. Die fehlende Einbürgerung der Regenbogenforelle ist schlussendlich einzig und allein eine Benachteiligung der Fischer in der Schweiz.

 

Hast du, wie der Bundesrat in seiner Antwort auf deine Motion schrieb, das Einbürgern eines nichteinheimischen Fischs gefordert, der Ökosysteme, Lebensräume oder andere Arten gefährdet?

Äschen, Bachforellen und auch die meisten anderen Fischarten leben bekanntlich gut mit der Regenbogenforelle zusammen. Und es ist doch im Interesse des Volkes, dass unsere Flüsse mit Fischen bewohnt und nicht einfach fischleer sind. Es ist nun einmal eine Tatsache, dass sich die Regenbogenforelle den sich ändernden Umweltbedingungen besser anpassen kann als andere Fischarten. Das soll kein Zeichen sein, dass Gewässer noch mehr verschmutzt und zubetoniert werden dürfen. Im Gegenteil! Es zeigt doch, dass wir auch dafür mit vollem Einsatz eintreten müssen.

 

Deine Motion wurde in der Sommersession mit 118 zu 70 Stimmen regelrecht abgeschmettert. Hast du mit diesem Resultat gerechnet?

Nein, das Resultat hat mich sehr überrascht. Denn es gibt Fischer in allen Parteien, nicht nur in der CVP und SVP. Fischer-Fragen – das ist ja das spannende – verlaufen bei Abstimmungen im Nationalrat häufig völlig unabhängig von Parteifarben quer von links bis rechts. Das Resultat hier deutet darauf hin, dass wir im Vorfeld zu wenig informiert haben. Zwei der 118 Nein-Stimmer fragten mich später tatsächlich – und das ist kein Scherz! – ob es bei dieser Abstimmung um die Einbürgerung der dritten Generation – von Menschen – gegangen sei…

 

War also mangelnde Information der Nationalrätinnen und Nationalräte der Grund für die ablehnende Haltung im Nationalrat?

Für mich ist klar: Es muss daran gelegen haben. Wir waren alle überrascht, dass die Motion nach Jahren der Verzögerung plötzlich doch noch zur Abstimmung kam. Sie wollte ja keine generelle Zulassung der Regenbogenforelle, sondern lediglich den Bundesrat beauftragen, sie in dafür geeigneten Gewässern zuzulassen. Eine massvolle und wohlüberlegte Forderung. Aber das konnten wir anscheinend nicht kommunizieren.

 

Wie geht es nun weiter mit der Regenbogenforelle? Ist das Thema für dich definitiv vom Tisch oder versuchst du noch einmal einen Anlauf und kämpfst weiterhin für ihre Einbürgerung?

Wenn das Parlament die Regenbogenforelle weiterhin verhindern will, ist das eine vertretbare Ansicht, sofern im Gegenzug der Gewässerschutz und der Artenschutz der einheimischen Fische klar verstärkt und spürbar verbessert wird. Darauf müssen wir die Nein-Sager und Bundesrätin Doris Leuthard jetzt behaften und entsprechend politischen Druck machen. Was aber ein absolutes No-Go ist: Arten wie die Regenbogenforelle, die seit Generationen in unseren Gewässern leben, weiterhin nicht zuzulassen, und gleichzeitig tatenlos dem Aussterben verschiedener Fischarten zusehen. Das Ende wären fischlose, tote Gewässer. Und das muss mit aller Kraft verhindert werden!

 

Deine Antwort tönt für mich schwer nach «Das eine tun und das andere nicht lassen». Heisst das, dass wir Schweizer Fischer mit einem erneuten parlamentarischen Vorstoss rechnen dürfen, die Regenbogenforelle doch noch einzubürgern?

CVP-Nationalrat Martin Candinas brachte als Reaktionen auf meine Motion eine abgeschwächte, etwas mildere Motion. Diese wurde allerdings abgeschrieben, da sie während zwei Jahren in Bern nicht behandelt worden ist. Ich versuche, ihn zu motivieren, seine Variante erneut einzugeben.

 

Haben wir Fischer im Nationalrat eigentlich ein Problem mit dem «wahrgenommen-werden» und/oder auch mit unserer Glaubwürdigkeit?

Der SFV führt regelmässig Fisch-Essen mit National- und Ständeräten aller Parteien durch, und diese erfreuen sich grösster Beliebtheit: Nur wenige andere Organisationen haben so einen direkten Draht zu Politikern wie ihr Fischer. Was vielleicht etwas fehlt: Kaum jemand im Nationalrat ist sich bewusst, dass das Fischen nicht nur das Hobby von ein paar wenigen, etwas kuriosen Einzelgängern ist. Nein! Fischen ist die grosse Leidenschaft zehntausender Bürgerinnen und Bürgern aus allen Regionen, allen Schichten und allen Generationen.

 

Lukas Reimann, ich danke dir für dieses Gespräch.

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