Interpellation: Wird die Migrationsstatistik durch eine neue Begriffsdefinition beschönigt?

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Interpellation vom 25. September 2014:

2011 hat das Bundesamt für Statistik den Begriff „Zuwanderung“ neu definiert. Sogenannte „Statuswechsel“  (Übertritte von Personen von der nichtständigen zur ständigen Wohnbevölkerung) werden nicht mehr zur Zuwanderung hinzugerechnet, weil sie gewöhnlich nicht im Jahr der Zuwanderung erfolgen. In der amtlichen Statistik ist der Wanderungssaldo der Ausländer („internationale Wanderungen“) deshalb nach 2010 drastisch gesunken: von 69‘000 Personen 2010 auf 51‘200 2012.
Eine Statistik „Bewegung der ständigen Wohnbevölkerung“, wo die  „Änderungen des Bevölkerungstyps“ erscheinen, gibt es zwar auch, aber die Daten müssen eigenhändig zum Wanderungssaldo hinzugezählt werden, damit man auf den Wanderungssaldo gemäss ursprünglicher Definition kommt und ein Längsschnittvergleich Sinn macht. Die Statistik „Ein- und Auswanderung der ständigen Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeit“ ist ohne Berücksichtigung von „Änderungen des Bevölkerungstyps“ verzerrt (Wanderungssaldo 2012 45‘200).
Die neue Definition von „Zuwanderung“ mag auf den ersten Blick einleuchtend erscheinen. Bei näherer Betrachtung hat sie aber gravierende Nachteile. Personen mit Statuswechsel sind eingewandert und kommen neu zur ständigen Wohnbevölkerung hinzu, erscheinen in der Statistik aber gar nie als Zuwanderer! 2012 waren dies  26‘000.  Die Zuwanderung erscheint statistisch um etwa einen Drittel geringer, als sie tatsächlich ist, was bei diesem politisch sensitiven Thema nicht unproblematisch ist. Vergleiche mit Daten vor 2011 sind nicht mehr möglich.
Der Bundesrat wird eingeladen, folgende Fragen zu beantworten:
1. Welche Person oder welches Gremium hat den Entscheid zur Änderung der Begriffsdefinition getroffen?
2. Ist der Bundesrat bereit, darauf hinzuwirken, dass auch die ursprüngliche Statistik mit der „alten Begriffsdefinition“ fortgeschrieben und entsprechend kommuniziert wird?

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