Schweizer Glücksspielgesetz: Nationalrat Lukas Reimann im Interview

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Der Kampf ums Schweizer Glücksspielgesetz ist zu einer Schlacht zwischen Pokerspielern und Casinoverband geworden. SVP Nationalrat Lukas Reimann ist mit seiner Motion verantwortlich dafür, dass Pokerturniere außerhalb der Casinos im Nationalrat ein großes Thema wurden. Wir haben aus gegebenen Anlass Lukas Reimann um ein kurzes Interview gebeten.

Quelle: PokerfirmaPokerfirma: Spielen Sie Poker?

Lukas Reimann: Mit Begeisterung!

Pokerfirma: Was fasziniert Sie an diesem Spiel?

Lukas Reimann: Pokern ist die perfekte Erholung von der Politik. Man vergisst alles um sich herum und konzentriert sich voll auf das Spiel. Zudem trifft man spannende Menschen aus aller Welt. Die Kombination aus Strategie und Psychologie macht jedes Pokerturnier zu einem Genuss.

Pokerfirma: Als Politiker setzt man sich normalerweise mit Themen wie Glücksspiel auseinander, wenn sie im Parlament behandelt werden. Sie aber haben die Initiative für die Pokerspieler ergriffen und mit Ihrer Motion für die Verankerung von Pokerturnieren außerhalb der staatlichen Casinos gesorgt. Was hat Sie dazu veranlasst?

Lukas Reimann: Es gibt überhaupt keinen Grund, Tausenden Menschen ihr Hobby zu verbieten! Poker muss dringend legalisiert werden. Aufgrund eines von den Casinos erzwungenen Bundesgerichtsentscheides macht sich gemäss Spielbankengesetz jeder, der ein Pokerspiel organisiert, strafbar. Dies ist nicht mehr zeitgemäss. So ist der Erfolg beim Poker bei Weitem nicht nur von Glück, sondern auch von vielen Geschicklichkeitsfaktoren wie auch mathematischen Chancenabwägungen und Psychologie abhängig. In diesem Sinne sollte Poker konsequenterweise nicht als Glücksspiel, sondern als legales Geschicklichkeitsspiel eingestuft werden. Damit wären die ausserhalb von Casinos durchgeführten Pokerrunden auch endlich nicht mehr illegal.

Pokerfirma: Für Deutsche bzw. Österreicher ist der Entstehungsprozess des Gesetzes in der Schweiz ein vollkommen fremder. Können Sie diesen kurz zusammenfassen?

Lukas Reimann: Mein Vorstoss zur Legalisierung vom Pokern wurde vom Parlament deutlich angenommen. Daraufhin arbeitete eine Arbeitsgruppe vom Bundesamt für Justiz einen Gesetzesentwurf aus. Dieser kann nun erneut vom Parlament überarbeitet werden. Davor gibt es eine Vernehmlassung, wo sich alle dazu äussern können. Genau hier stehen wir jetzt.
Ein Gesetz wird von National- und Ständerat beschlossen. Das Volk oder 8 Kantone können danach ein fakultatives Referendum ergreifen und eine Volksabstimmung erzwingen. Allein Volksmehr entscheidet in diesem Fall, ob das Gesetz angenommen oder abgelehnt wird.

Pokerfirma: Haben Sie aktiv am neuen Geldspielgesetz mitgearbeitet?

Lukas Reimann: Noch nicht. Das Geldspielgesetz kommt jetzt aber in die Rechtskommission des Nationalrates, wo ich Mitglied bin. Dort kann ich aktiv daran mitarbeiten.

Pokerfirma: Der Casinoverband bzw. vor allem Swiss Casinos wollen Geldspielturniere außerhalb der Casinos verhindern und den entsprechenden Passus im Gesetz streichen. Das würde auch das Schweizer Nationalspiel, das Jassen, betreffen. Sehen Sie dies als Verzögerungstaktik des Casinoverbandes für das neue Glücksspielgesetz?

Lukas Reimann: Ganz klar ja! Die Casinos verkennen einmal mehr die Realität komplett. Das Parlament hat klar und fast einstimmig entscheiden, dass Pokerturniere auch ausserhalb von Casinos wieder zugelassen werden. Daran gibt es nichts zu rütteln.
Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass die Casinos nicht fähig sind, ein attraktives und vor allem auch mit kleinen Einsätzen spielbares Pokerangebot anzubieten. Den Casinos geht es einzig und alleine um den Profit und den macht man nicht mit Pokerturnieren. Casinos wollen nur eines: Pokerspieler in die Casinos zwingen, wo sie möglichst auch an Automaten oder beim Roulette Geld verlieren sollen. In kleinen Pokerclubs ausserhalb von Casinos gibt es hingegen keine Spielautomaten und auch sonst keine Glücksspiele. Der Pokersport steht im Vordergrund.

Pokerfirma: Kann man als einzelner Spieler/Interessierter Einfluss auf den Gesetzesentwurf nehmen?

Lukas Reimann: Man kann nicht nur, man muss! Alle weiteren Informationen dazu gibt es auf „Pokern fürs Schweizer Volk“ im Facebook oder auf www.anonymespieler.ch.

Pokerfirma: Was sehen Sie als realistischen Zeitpunkt für das Inkrafttreten des neuen Geldspielgesetzes?

Lukas Reimann: Leider 2018. Ich hoffe natürlich für alle Pokerspieler, dass wir es schon früher hinkriegen. Aber die Berner Mühlen mahlen langsam.

Pokerfirma: Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg im Kampf für Poker in der Schweiz!

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