Gleiche Ellen für alle Tabakprodukte – gegen willkürliches Snus Verbot

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1. Stand heute: Begründung des Bundesrates:

Gestützt auf das Lebensmittelgesetz hat der Bundesrat 1995 in der Tabakverordnung Snus mit einem Import- und Verkaufsverbot, nicht aber mit einem Konsumverbot belegt:

Art. 5 Verbotene Erzeugnisse

1 Tabakerzeugnisse zum oralen Gebrauch dürfen weder eingeführt noch abgegeben werden.

2 Als Tabakerzeugnisse zum oralen Gebrauch gelten Erzeugnisse in Form eines Pulvers oder eines feinkörnigen Granulats oder einer Kombination dieser Formen, insbesondere in Portionenbeuteln oder porösen Beuteln oder in anderer Form. Ausgenommen sind Erzeugnisse, die zum Rauchen oder Kauen bestimmt sind.

Dieses von der EU übernommene Verbot soll nun ins neue Tabakproduktegesetz überführt werden, das sich bis an 12. September 2014 in der Vernehmlassung befindet. Der Bundesrat schreibt in den Vernehmlassungserläuterungen unter anderem: „Aus wissenschaftlicher Sicht besteht kein Grund, das Verbot von Tabakprodukten zum oralen Gebrauch zu hinterfragen, da sie eine Vielzahl von Schadstoffen, vor allem krebserzeugende Stoffe, enthalten.“

 

2. Das Verbot ist willkürlich

  • Das Verbot von Snus in der Schweiz ist willkürlich. Während das vergleichsweise harmlose schwedische Qualitäts-Snus in der Schweiz nicht verkauft werden darf, sind weit schädlichere Produkte wie Zigaretten, afrikanischer und asiatischer Mundtabak (siehe Tabelle unten) oder Schnupftabak überall erhältlich (Kioske, Tabakgeschäfte etc.).

 

  • Dank hoher Qualitätsstandards bei der Herstellung und einer strengen Lebensmittelkontrolle in Schweden muss Snus höchste hygienische Anforderungen erfüllen. Anders als bei anderen zugelassenen  Mundtabaken wird für die Trocknung nicht Rauch, sondern Luft verwendet.

 

  • Es gibt keine wissenschaftliche Studie, welche eine krebserregende Wirkung von Snus im Mund oder im Magen-Darm-Trakt (z.B. Bauchspeicheldrüse) nachweist.
  • Alle aktuellen Studien stellen auch keinen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von rauchlosen Tabak und Mundkrebs fest. In Schweden ist Mundhöhlenkrebs bei Snus-Konsumenten nicht stärker verbreitet als beim Rest der Bevölkerung. Der „Wissenschaftliche Ausschuss neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken” der Europäischen Kommission kam 2008 zum Schluss, dass schwedisches Snus kein Risiko für Mundhöhlenkrebs darstellt.
  • Eine Studie von Paulo Bofetta von 2008 vermutete ein erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs, relativierte diese Aussage aber später. Der Befund wurde von keiner anderen Studie bestätigt. Auch die bisher grösste Studie, die PANC 4 von 2011, konnte keinen Zusammenhang zwischen Bauspeicheldrüsenkrebs und rauchlosem Tabak aufzeigen. aufzeigen: [1]Geklärt ist indessen die Tatsache, dass Rauchen das Risiko für diese Krebsart erhöht.
  • Snus senkt gemäss wissenschaftlichen Untersuchungen die Krebshäufigkeit, wie das Beispiel Schweden zeigt, wo jeder vierte Mann das rauchlose Tabakprodukt verwendet: Halb so viele Männer wie in der Schweiz erkranken an Lungenkrebs. Während in der Schweiz jeder Dritte raucht, ist es in Schweden nur jeder Zehnte. Schwedische Männer haben europaweit eine der tiefsten Raten für Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dies ist auf den Snus-bedingten Rückgang des Raucheranteils zurückzuführen.

3. Snus mit dem geringsten Schadstoffgehalt

Die problematischsten Substanzen in rauchlosem Tabak sind Nitrosamine (TSNA) und Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAH).  In einer aktuellen Analyse (Chemical  Analysis of Smokeless tobacco products available in the European Union, Eurofins 2012, Analysis commissioned by the Swedish Food Federation) untersuchte Eurofins, ein führendes Testlabor für Nahrungsmittel und Pharmaprodukte, 27 rauchlose Tabakprodukte, die in der Schweiz und der EU vermarktet werden. Die Studie zeigt unter anderem, dass einige der in der Schweiz erhältliche Produkte 30mal höhere TSNA Dosen enthalten als Snus, und bis zu 400mal höhere Konzentrationen des krebserregenden PAH Benzopyren. Eine Auswahl von Tabakprodukten für die orale Anwendung:

 

Produkt Verwendung Ursprung und Regulation TSNA Teile (Nassgewicht) pro Mio (ppm) 2
Special Gul Power 

 

 

Oft zum Zähneputzen verwendet Bangladesh, legal in der EU und der Schweiz 17,1 ppm.
Hakim Pury Zarda  Oft benutzt als Zutat in Betel Kautabak.
Wird gekaut 
Bangladesh, legal in der EU und der Schweiz 53,7 ppm.
Gutkha (6 Proben)  Wird im Mund behalten und gekaut.  Meist wird es ausgespuckt oder auch geschluckt.  Indien, legal in der EU und der Schweiz 0,26 – 23,9 ppm.
Toombak (4 Proben)  Wird in Bällchen von einem Gewicht von rund 10 Gramm gerollt. Sie werden zwischen dem Gaumen und der Lippe/Wange  oder unter der Zunge  gehalten und langsam während 10-15 Minuten gekaut. Sudan, legal in der EU und der Schweiz 295 – 992 ppm.
Swedish Snus (5 Proben) 

 

Schwedischer Qualitäts-Snus ist ein feuchtes Tabakprodukt, das in kleine Portionenbeutelchen verpackt  im Mund oder unter der Oberlippe platziert wird. Schweden, in der EU und der Schweiz  Verkauf illegalIn Schweden im Lebensmittelgesetz geregelt 0,6 – 0,72 ppm.

[2]

 

4. Fazit

Es ist weder nachvollziehbar noch zweckdienlich, den Verkauf von Snus zu verbieten und erheblich schädlichere Tabakprodukte wie Zigaretten oder Mundtabak zuzulassen. Das Qualitäts-Snus aus Schweden weist nicht nur die tiefsten Gesundheitsrisiken auf, sondern wird nach strengen, staatlich kontrollierten Vorschriften hergestellt. Angesichts der steigenden Beliebtheit von Snus wäre es ohnehin sinnvoller, das Produkt der schweizerischen Gesetzgebung, einschliesslich dem Jugendschutz, zu unterstellen. Der vorgesehene Artikel 9 des Entwurfs zum Tabakproduktegesetzes ist deshalb ersatzlos zu streichen

 



[1] Bertuccio, P., et al., Cigar and pipe smoking, smokeless tobacco use and pancreatic cancer: an analysis from the International Pancreatic Cancer Case-Control Consortium (PanC4). Ann Oncol, 2011. 22(6): p. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21245160

 

[2] Studie von Stansfill et al. “Global surveillance of oral tobacco products: total nicotine unionized, nicotine and tobacco-specific Nitrosamines”   http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21109685

 

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