Aktenzeichen XY: Zurück ins Schweizer Fernsehen!

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Erstveröffentlichung für News1.ch

 

Vergangene Woche gelang der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY – ungelöst“ erneut ein grosser Fahndungserfolg. Ein grässlicher Kinderschänder konnte schon kurz nach der Ausstrahlung in der Sendung gefasst werden. Seit mehr als 40 Jahren ist „Aktenzeichen XY … ungelöst“ auf Sendung. In mehr als 400 Ausstrahlungen konnte die Fernsehfahndung der Polizei behilflich sein, Verbrechen aufzuklären, Mörder festzunehmen und Vermisste wieder zu finden.

Die Bilanz der Sendung lässt sich sehen: In den ersten 400 Folgen seit 1967 waren 3750 Fälle behandelt worden. 1571 davon konnten aufgeklärt werden, was einer Erfolgsquote von 42 Prozent entspricht. Fast jeder dritte XY-Fall war ein Mordfall. Von den bisher über 1200 vorgestellten Mordfällen konnten im Laufe der Jahre 445, also rund 37 Prozent aufgeklärt werden. Platz 2 in der Statistik belegen die Raubüberfälle (948 Fälle, 35 Prozent geklärt) gefolgt von Betrugsdelikten (556 Fälle, 60 Prozent geklärt) und versuchten Tötungsdelikten (179 Fälle, 80 Prozent geklärt).

Das Schweizer Fernsehen kippte XY bereits Ende 2003 aus dem Programm. Wir wehrten uns damals vergeblich (siehe Facts 6.11.2003). Es läuft heute alles mögliche an Sinnvollem und vor allem Sinnlosem im Fernsehen. Geschmäcker sind verschieden und darauf müssen sich Fernsehstationen einstellen. Aber bei all den vielen Programmen ist es doch nicht zu viel verlangt, einmal monatlich eine Verbrechensbekämpfungssendung auszustrahlen. Dass ausgerechnet jene Fernsehsendung, die sich nicht ausschliesslich der Unterhaltung oder Information widmet, sondern die einen konkreten Auftrag für das Gemeinwohl und die Sicherheit der Bevölkerung wahrnimmt – nämlich die Verbrechensbekämpfung – aus dem Programm gestrichen wurde, ist und bleibt ein grober Fehler.

Auch mit fehlenden Zuschauerquoten lässt sich der Rückzug nicht erklären. „Aktenzeichen XY… ungelöst “ gehört zu den beliebtesten Sendungen im deutschsprachigen Europa und ist im Programm des ZDF zu einem Markenzeichen geworden. Rund vier bis fünf Millionen Zuschauer schalten jedes Mal die Sendung ein. Die Sendung hat Tradition, doch ihr Anliegen ist heute mindestens so aktuell wie bei der Erstausstrahlung im Oktober 1967: die Verbrechensbekämpfung zu unterstützen.

Erklärbar ist der Rückzug nur mit politischer Korrektheit. Das Volk soll nicht sehen, was alles an – oft schockierenden – Verbrechen geschieht. Womöglich könnte davon sogar die verhasste SVP und ihre sicherheitspolitischen Forderungen profitieren.

Auch die Schweizer Polizeistellen bedauern das Ende von «Aktenzeichen XY ungelöst» auf SF. Ihnen wird die direkte Möglichkeit, Fahndungsaufrufe im ganzen deutschsprachigen Raum zu publizieren, zumindest erschwert. Zwar gibt es heute Internetportale wie www.polizeibericht.ch, welche über aktuelle Fahndungen und Verbrechen informieren. Aber eine so breite Beachtung wie eine Fernsehsendung finden sie natürlich nicht.

Zwei Stunden pro Monat für eine von wenigen wirklich sinnvollen Sendungen ist doch nicht zu viel verlangt. Fünf Jahre nach dem Ende der Schweizer Beteiligung an Aktenzeichen XY ist klarer denn je: Die Schweiz braucht dringend wieder eine Verbrechensbekämpfungs-Sendung. Ob sie im Schweizer Fernsehen oder im Verbund auf den Regionalsendern gebracht wird, ist zweitrangig.

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3 Responses to “Aktenzeichen XY: Zurück ins Schweizer Fernsehen!”

  1. Walo Tapernoux sagt:

    Herr Reimann, eine kleine Rüge:

    Sie haben vergessen, zu erwähnen, dass in Aktenzeichen XY ungelöst nur solche Verbrechen ausgestrahlt werden, bei denen die Polizeistellen nicht weitergekommen sind.

    Vor dem Hintergrund dieser Tatsache sind die obgenannten Aufklärungsquoten bei den Verbrechen noch VIEL beachtlicher!

  2. Christian Rüegg sagt:

    Lieber Lukas,
    Zuerst recht herzlichen Dank für deinen grossen Einsatz, ich kann dein Vorhaben, XY ungelöst in der Schweiz wieder zu senden nur unterstützen.

  3. walter sagt:

    Werter Herr Reimann,
    es hat mich gleich von Anfang an gestört, dass XY nicht mehr in der Schweiz gesendet wird. Der Grund dafür ist mir aber klar. Das Schweizer Sozi Fernehen will nicht dass die Schweizer Bevölkerung erfährt, das etwa 8 von 10 Verbrecher Ausländer sind. Unternehmen sie alles dass Xy wieder ins Fernsehen kommt.

    Besten Dank

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