Büchler fehlt von allen Politikern am meisten

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Schänis/Bern. – In der Region kennt ihn fast jeder: Köbi Büchler vertritt das Linthgebiet im Bundeshaus. Der CVPler aus Schänis ist aber weniger im Nationalratssaal als die meisten anderen Parlamentarier anzutreffen.

«Absolut kein Verständnis»

21 von 90 Abstimmungen verpasste Büchler während der Herbstsession, also rund ein Viertel aller Entscheide. Im Durchschnitt fehlte jeder Nationalrat bei neun Abstimmungen.

Bei den St. Galler Politikern belegt Büchler den ersten Rang in punkto Abwesenheit. Yvonne Gilli (Grüne) folgt ihm auf dem zweiten Platz mit 17 verpassten Abstimmungen.

«Absolut kein Verständnis» für Parlamentarier, die oft fehlen, hat Lukas Reimann (SVP). Er war während der Herbstsession immer im Saal. Büchler rechtfertigt seine Absenzen mit anderen politischen Verpflichtungen. Sein Terminkalender sei manchmal bis zum Bersten voll.

Der Schänner Landwirt Jakob Büchler ist ein viel
beschäftigter Mann. Er hilft auf seinem ehemaligen Hof Steinerriet mit, den er
mittlerweile seinem Sohn übergeben hat. Dazu amtet er als Schadenexperte der
schweizerischen Hagelversicherung sowie Präsident der Landi Schännis. Die Liste
lässt sich noch erweitern, denn Büchler engagiert sich noch in zahlreichen
weiteren Bereichen.

Der Schänner ist aber auch Nationalrat – und zwar einer, der relativ
häufig durch seine Abwesenheit glänzt. Büchler fehlte in der Herbstsession bei
24 Prozent der Abstimmungen. Dies hat das Portal politnetz.ch anhand von
offiziellen Abstimmungsprotokollen ausgerechnet. Diesen zufolge nahm Büchler an
21 von insgesamt 90 Entscheiden nicht teil.

Nicht stolz über den ersten Rang

Büchler nimmt unter den St. Galler Parlamentariern die
Spitzenposition punkto Absenzen ein. Nur Yvonne Gilli (Grüne) ist ihm mit 17
verpassten Abstimmungen dicht auf den Fersen.
Auf der nationalen Abwesenheits-Rangliste erreicht Büchler in der
Herbstsession den 16. Rang. Der Abstand zur Spitze ist aber gewaltig: Filippo
Leutenegger (FDP, Zürich) war bei 54 Abstimmungen nicht im Saal, Alexander
Tschäppät bei 50.
«Wenn ich fehle, dann meistens an Abendsitzungen», sagt Büchler. Die
Geschäfte im Rat dauern oft bis in die Abendstunden. So war es etwa am Montag,
17. September: Beinahe bis 22 Uhr wurden Vorstösse behandelt. Da war Büchler
aber schon längstens im Hotel «Schweizerhof». «Ich musste an einen Anlass der
Gruppe Sicherheit», sagt er. Zusammen mit Vertretern aus der Industrie habe man
das Rüstungsprogramm 2012 besprochen, das immer noch nicht verabschiedet wurde.
Die Industrie macht sich Sorgen, weil sie wertvolle Aufträge verlieren könnte,
wenn kein Rüstungsprogramm zustande kommt.
«Mein Ziel ist es, bei jeder Abstimmung dabei zu sein», sagt Büchler.
Wenn er nicht da sei, dann meistens wegen anderen politischen Verpflichtungen.
Am Mittwoch, 12. September, fehlte Büchler während einer Stunde. Während der Rat
unter anderem die Pauschalbesteuerung behandelte, traf sich Büchler mit dem
Komitee «Nein zum Tierseuchengesetz».
Ab und zu müsse er ein paar Abstimmungen verpassen, sagt Büchler.
«Mein Terminkalender ist manchmal derart voll, dass es nicht anders geht.» Er
sei nicht erfreut über sein Abschneiden. «Es ist sonst nicht meine Art, so viele
Abstimmungen zu verpassen», so der Schänner.
Die Herbstsession ist bei Büchler keine Ausnahme gewesen. In der
Sommersession drückte er bei 29 Prozent der Abstimmungen nicht auf den Ja- oder
Nein-Knopf. Damals nahm er an einem der Sessionstage an der Wahlfeier des
Kantonsratspräsidenten Felix Bischofberger teil, so Büchler. Vorbildlich in
Sachen Teilnahme war Büchler in der laufenden Amtsperiode in der Wintersession
2011: Er verpasste damals nur eine von 13 Abstimmungen.

«Oft zählt jede Stimme»

Die Klassenbesten unter den St. Galler Nationalräten sind Margrit
Kessler (GLP) und Lukas Reimann (SVP). In der Herbstsession fehlten sie an
keiner einzigen Abstimmung.
Reimann nimmt die Anwesenheit im Nationalrat sehr ernst: «Ich
versuche an jeder Abstimmung dabei zu sein.» Als gewählter Politiker sei dies
seine Aufgabe. Für Leute, die 30 Prozent und mehr fehlen würden, habe er absolut
«kein Verständnis». Schliesslich wisse man ja Monate im Voraus, wann die Session
stattfinde.
Es sei oft schwierig, bei jeder Abstimmung dabei zu sein, räumt
Reimann ein. «Wenn man eine Besuchergruppe oder eine Schulklasse im Bundeshaus
empfängt, dann kann es schon passieren, dass man eine Abstimmung verpasst.» Doch
es sei stossend, wenn viele Parlamentarier fehlen würden. Manchmal seien die
Abstimmungen sehr knapp. «Dann zählt jede Stimme und man regt sich über die
Fraktionskollegen auf, die nicht da sind.»
Eine «Sauerei» findet Reimann, dass Parlamentarier das volle
Sitzungsgeld bekommen, auch wenn sie nur kurz am Morgen vorbeischauen. Die Veröffentlichung
der Präsenz auf politnetz.ch begrüsst er. So sei es für die Wähler
viel einfacher geworden, die Anwesenheit der Parlamentarier mitzuverfolgen.

Quelle: Südostschweiz

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One Response to “Büchler fehlt von allen Politikern am meisten”

  1. Rolf Scheibler sagt:

    Anstelle einer Jahres-Entschädigung könnte man doch auf Tages-Pauschalen wechseln.
    Dies ginge doch ganz einfach mit einer altherkömmlichen Stempel-Uhr.
    Wer „bescheisst“, d.h. ein- und ausstempelt, aber nicht anwesend ist, müsste bestraft werden.

    MfG
    Rolf

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