Männer haben ein Recht auf ihre Kinder

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Die Bi­lanz ist ernüchternd: Jede zweite Ehe in der Schweiz wird ge­schie­den, 20’000 mal pro Jahr endet der ver­meint­li­che Bund fürs Leben mit einer Schei­dung, davon be­trof­fen sind min­des­tens 14’000 Kin­der. Das zei­gen Zah­len des Bun­des­amts für Sta­tis­tik. Das be­deu­tet, dass Tau­sende von Müttern und Väter mit Fra­gen zum Sor­ge­recht für ihre Kin­der kon­fron­tiert sind. Dar­auf muss der Ge­setz­ge­ber end­lich rea­gie­ren.

Artikel von Lukas Reimann für Vimentis-Blog

Das geltende Recht ist mehr Teil des Problems als die Lösung. Ein gemeinsames Sorgerecht für die Kinder gibt es nach einer Trennung oder Scheidung nämlich bisher nur, wenn beide Elternteile damit einverstanden sind. Konkret heisst das: Gegen den Willen der Frau hat ein Mann faktisch keine Chancen, das Sorgerecht und damit die Erziehungsverantwortu​ng mit zu übernehmen. Das verschärft das Risiko, dass es zwischen dem Vater und den Kindern zu einem Kontaktabbruch kommt.  Das heute geltende Recht zementiert ein Rollenverständnis, bei dem sich die Vaterschaft in einer reinen Zahlvaterschaft erschöpft.

Eine Scheidung oder Trennung ist in der Regel mit Schmerz, Leid und tiefen Enttäuschungen verbunden. Es ist nachvollziehbar, dass es immer wieder zu „Abrechnungen“ zwischen den entzweiten Partnern kommt – und die Erfahrung zeigt, dass diese mitunter auch über die Kinder ausgetragen werden. Genau dem leistet das heute geltende Recht Vorschub. Willigt eine Frau nicht in das gemeinsame Sorgerecht ein, ist es für den Vater nur schwer möglich, mit den Kindern weiterhin eine intakte Beziehung zu unterhalten oder aufzubauen.

In verschiedenen Staaten ist das gemeinsame Sorgerecht längst Realität. Es gibt keine Staatsintervention. Nur wenn besondere Umstände vorliegen, kann das Gericht auf Antrag die elterliche Sorge einem Elternteil allein zuteilen. Unterschiedliche Studien kommen zum gleichen Schluss: Wenn die Eltern auch nach einer Trennung gemeinsam für die Betreuung und Erziehung ihrer Kindern sorgen, hat das positive Folgen –  sowohl für die Beziehung zwischen den Eltern als auch, und das ist das wichtigste, für die Kinder. Die Konflikte zwischen den Eltern werden reduziert, gerichtliche Auseinandersetzungen lassen sich besser vermeiden und die Kinder leiden weniger unter der Trennung von Vater und Mutter. Zudem kommt es zu finanziell zufriedenstellenden Unterhaltsregelungen.​

In der Schweiz hat die Nationalfondstudie NFP 52 ergeben, dass die Rate, in welcher der Kontakt zwischen Kund und Vater erhalten blieb, bei gemeinsamem Sorgerecht um 8% höher liegt als bei alleinigem Sorgerecht der Mutter. Die Zahlungsmoral war gar um 14% höher.

Auch bei Konkubinatspaaren zeigt sich, dass die gemeinsame elterliche Sorge besser gefördert werden muss. Artikel 298 im Zivilgesetzbuch legt fest, dass die elterliche Sorge a priori alllein der Mutter zukommt. Das ist nicht mehr zeitgemäss und diskriminiert den Mann. Da das Sorgerecht zum gesetzlich geschützten Anspruch auf Achtung des Familienlebens gehört, dürfte das geltende Recht sogar verfassungswidrig sein.

Heute wird die Sorgerechtserteilung häufig an die Unterzeichnung eines Unterhaltsvertrags gekoppelt respektive davon abhängig gemacht. Das ist eine sachfremde Bedingung, die das Sorgerecht zu einem Druckmittel macht, um höhere Unterhaltszahlungen zu erzwigen. Damit muss Schluss sein!

Die gemeinsame elterliche Sorge als Regelfall gibt beiden Eltern – unabhängig von der Beziehung, die sie zueinander haben – die grundsätzlich gleichen Rechte und Pflichten für die Erziehung und Entwicklung ihrer Kinder. Das bedeutet eine Gleichberechtigung beider Eltern.

Zu bedenken gilt es auch die Schwierigkeiten, die sich bei bi-nationalen Ehen stellen. Hier kommt es immer wieder zu besonders krassen Trennungen. Wenn sich ein Elternteil plötzlich mit dem Kind nach Tunesien oder – „Nicht ohne meine Tochter“ lässt grüssen – in den Iran absetzt, sind den Behörden die Hände gebunden.

Die Sorgerechtsrevision, die der Nationalrat diese Woche mehrheitlich gutgeheissen hat, sieht neu das gemeinsame Sorgerecht als Regelfall vor. Das stärkt das Kindeswohl, aber auch das Miteinander der Eltern. Zudem soll ein Wegzug ins Ausland nur nur noch möglich sein, wenn der Ex-Partner repsektive die Ex-Partnerin dem Zustimmt. Das schützt die Rechte der Schweizerinnen und Schweizer.

In der Schlussabstimmung im Nationalrat wurde die Vorlage mit 151 zu 13 Stimmen gutgeheissen. Die Nein-Stimmen kamen vom feministischen Lager der SP. Sie profiliert sich damit als gesellschaftskonserva​tive Partei, die auch in Zeiten der Gleichberechtigung der Meinung ist, dass Kinderbetreuung ausschliesslich Sache der Frauen sei.

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