Poker: 100-Franken-Turniere sollen erlaubt sein

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Vor ziemlich genau einem Jahr verbot das Bundesgericht Pokerturniere ausserhalb von Casinos. Seither laufen politische Bestrebungen, dieses Verbot aufzuheben – zumindest für kleinere Turniere. Der jüngste Versuch von SVP-Nationalrat Lukas Reimann will Jass- und Pokerturniere mit einem maximalen Einsatz von 100 Franken der kantonalen Aufsicht unterstellen. Sie wären so auch ausserhalb von Casinos möglich.

Artikel von 20Minuten-Online mit Umfrage.

Seinen Vorschlag hat Reimann vor einigen Tagen in der nationalrätlichen Rechtskommission eingebracht, als diese den Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Geldspiele im Dienste des Gemeinwohls» beriet. Auf Zustimmung stiess er nicht: Die Mehrheit lehnte den Antrag ab. Davon lässt sich Reimann allerdings nicht entmutigen. Sein Vorschlag wird als Minderheitsantrag ins Plenum kommen. «Im Nationalrat rechne ich mir Chancen aus, damit durchzukommen», sagt Reimann. Zumal Vertreter verschiedener Parteien das Anliegen unterstützten. Im Hinblick auf eine spätere Abstimmung im Ständerat sei jedoch die Unterstützung von Verbänden nötig.

«Absturzgefahr in Casinos gross»

Ein möglicher Verbündeter könnte der Fachverband Sucht sein. Dieser äussert sich positiv zu Reimanns Vorschlag. «Pokerturniere zu verbieten und in Casinos abzuschieben ist nicht sinnvoll, weil die Prävention erschwert wird», sagt der Generalsekretär Markus Theunert. Das Pokerspiel habe durchaus Suchtpotential, weshalb es klare Leitplanken brauche. Die Begrenzung des maximalen Einsatzes pro Abend auf 100 Franken macht für Theuner Sinn: «Gerade für Spieler mit problematischem Spielverhalten wird so die Gefahr einer Verschuldung minimiert.» Casinos hingegen böten Risikospielern kein günstiges Umfeld, da eine Unzahl weiterer Spielangebote locke und die Absturzgefahr entsprechend gross sei.

Begrüssungswert findet die Idee auch Jörg Häfeli, Dozent und Präventionsfachmann der Hochschule Luzern: «Der Vorschlag ist auf jeden Fall zu prüfen.» Es bestehe ein grosses Bedürfnis nach solchen Pokerturnieren. Mit dem Verbot ausserhalb von Casinos würden die Pokerspiele in die Illegalität abgedrängt, sagt er. «Das illegale Glücksspiel hat seit letztem Jahr zugenommen.»

Eine Konkurrenz zu den Poker-Angeboten in Casinos sieht Häfeli, der selbst als Suchtexperte für Casinos arbeitet, nicht: «Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Angebote, die unterschiedliche Kundensegemente ansprechen.» Die maximale Teilnahmegebühr von 100 Franken sei vernünftig. «Das zeigt, dass die Initianten nicht Zockertempel aufziehen, sondern ein Bedürfnis befriedigen wollen», sagt Häfeli. Die Kantone seien gefordert, die Turniere nur unter bestimmten Auflagen zuzulassen. «So können sich seriöse Anbieter etablieren, wie dies auch vor dem Verbot der Fall war.»

Frage der Kompetenzen

Noch offen ist die Frage, ob die Kantone diese Aufgabe überhaupt übernehmen wollen. «Die Idee Reimanns ist nicht per se schlecht», sagt Manuel Richard, Stellvertretender Geschäftsführer der Comlot, der interkantonalen Bewilligungsbehörde für Lotterien und Wetten. Ein kantonales Bewilligungsverfahren für kleine Veranstaltungen wäre durchaus möglich. Doch Richard hat auch Einwände. Aus formaler Sicht gehöre eine solche Turnier-Regelung nicht in die Verfassung. Inhaltlich wäre es ungewöhnlich, die Kompetenzverteilung aufgrund der Einsatzhöhe zu definieren.

Bisher ist die Art des Spiels ausschlaggebend. Der Bund ist für Glücksspiele, die Kantone sind für Geschicklichkeitsspiele zuständig. Doch gerade bei Poker ist diese Abgrenzung umstritten. Denn im Unterschied zu vielen Spielern sieht das Bundesgericht Poker als Glücksspiel. Erst mit diesem Urteil verursachte es die laufenden parlamentarischen Aktivitäten.

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