Streitgespräch Lukas Reimann vs. Cédric Wehrmuth: Welche Folgen hat die Personenfreizügigkeit?

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Blick am AbendLukas Reimann: Die Personenfreizügigkeit macht Einwanderung unkontrollierbar. Die Folgen sind drastisch. Es braucht dringend Neuverhandlungen.

Cédric Wermuth: Wenn wir jetzt Probleme mit Lohndumping haben, ist das, weil die Arbeitgeber die Gesetze umgehen. Nicht wegen den Arbeitern.

Lukas Reimann: Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt hat sich verschärft, Sozialwerke bluten. Es ist offensichtlich: Das liegt an der Einwanderung.

Cédric Wermuth: Nein. Bei den Löhnen ist es klar: Wenige zocken immer mehr ab – und zwar in den Chefetagen der Schweizer Firmen! Wir brauchen endlich Mindestlöhne!

Lukas Reimann: Genau weil einige möglichst günstige Arbeitskräfte aus dem Ausland holen, egal ob mit oder ohne Mindestlöhne, müssen die unkontrollierte Einwanderung bremsen.

Cédric Wermuth: Wir fordern anständige Löhne. Die günstigen Arbeitskräfte holt ja deine politische Seite – Economiesuisse und die Arbeitgeber.

Lukas Reimann: Das Bevölkerungswachstum ist so enorm wie nie in der Geschichte der Schweiz. Gemäss Bund wachsen wir auf über 10 Millionen Einwohner. Wir stossen an unsere Grenzen. Und ihr wollt trotzdem alle Tore offen halten.

Cédric Wermuth: Wir brauchen die Einwanderung, das ist klar. Wir wollen sie politisch gestalten. Das die Menschen immer weniger haben liegt nicht an der Personenfreizügigkeit, sondern an eurer Steuerpolitik!

Lukas Reimann: Wir müssen Einwanderung wieder von der Integrationsfähigkeit, Sprachkenntnissen und dem Bedarf auf dem Arbeitsmarkt abhängig machen. Unkontrollierte Einwanderung ist vernichtend, gerade für den Mittelstand und die Ärmsten.

Cédric Wermuth: Für den Mittelstand und die unteren Schichten ist eure Politik verheerend. Wegen euch zocken die Vermieter schamlos ab und immer mehr Gebühren belasten die Familien. Das hat nichts mit Einwanderung zu tun.

Lukas Reimann: Auch Mieten steigen, weil immer mehr Menschen einwandern und irgendwo wohnen wollen. Und die Sozialwerke leiden, weil dank der Personenfreizügigkeit Hundertausende hier bessere Leistungen erhalten als in ihren Herkunftsländern. Wir dürfen die Augen davor nicht verschliessen.

Cédric Wermuth: Die Mieten steigen, weil die Vermieter 3 Milliarden pro Jahr mehr kassieren, als sie dürften. Und die Ausländer zahlen immer noch mehr ein, als sie beziehen – zum Beispiel bei der AHV. Ihr wollt ja die AHV kaputt machen, nicht die Arbeitskräfte aus dem Ausland.

Quelle: Blick am Abend vom 9. Mai 2010, Seite 6

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