Buchhinweis: Inszenierte Wahrheiten

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Inszenierte WahrheitenEine der besten Ausstellungen, welche ich in den letzten Jahren besuchte, war „X für U – Bilder, die lügen„. Sie zeigte anhand von Hunderten von konkreten Beispielen, wie Medien tricksen und bewusst manipulieren. Die Annahme, dass Medien, wenn sie es denn wirklich wollten (und einige wollen das in der Tat und geben sich auch ent­sprechend Mühe), die Wirklichkeit abzubilden vermöchten, wird zwar allgemein angenommen, ist deswegen jedoch noch lange nicht wahr. Wahr ist, dass die Medien die Wirklichkeit, die in den Medien vorkommt, erst schaffen. Sie tun dies, zuallererst, indem sie auswählen, was sie zeigen wollen und, vor allem, was sie nicht zeigen wollen. Sie definieren Bezugspunkte, stellen Ordnung und Sinn her, geben Kontext vor. Die Realität wird ersetzt durch eine Medienrealität – und diese wird zu einem Selbst­gänger, da sich die Medien vorwiegend daran orientieren, was andere Medien machen. Jetzt ist im Rüegger Verlag ein neues Buch zu genau diesem Thema erschienen.

«Einer der spannendsten Schweizer Foto-Theoretiker ist Hans Durrer, dessen neues Buch Inszenierte Wahrheiten. Essays über Fotografie und Medien gerade im Rüegger Verlag erschienen ist. Auf 122 Seiten unternimmt der Autor interessante intellektuelle Sternfahrten in die Medientheorie – und erklärt uns, warum Medien die Wirklichkeit keineswegs abbilden, sondern eher ihre eigene Wirklichkeit schaffen. Aus Realität wird Medienrealität – ein höchst aktuelles Themen-Terrain. Sehr empfehlenswert ist auch der Blog des 1953 geborenen Autors: Across Cultures .»

(Quelle Photoscala)

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2 Responses to “Buchhinweis: Inszenierte Wahrheiten”

  1. Daniel Engler EDU SG sagt:

    Wirklich interessant. Deshalb sage ich schon lange, objektive Medienberichterstattung gibt es nicht. Die eigene Meinung beeinflusst die Berichterstattung bewusst oder unbewusst immer.
    Deshalb bin ich dafür, dass bei den Medien eine „Herkunftsdeklaration“ eingeführt wird, so wie beim Fleisch. Nur dass bei den Medien die eigene politische Haltung oder Parteizugehörigkeit deklariert werden müsste. So wäre es wenigstens transparent, wie die Berichterstattung zustande gekommen ist.

  2. Mötteli sagt:

    Sehr geehrter Hr. Reimann und Engler,

    Das sage ich schon lange! Schön, dass Sie, Hr. Engler von Herkunftsdeklaration sprechen. So etwas wird nämlich auch mein Vorschlag sein. Es fehlt in diesem Markt an Transparenz. Für mich sind Medien die eigentlichen politischen Parteien, denn sie bestimmen, wer gewählt und wer abgewählt wird, einfach nur, indem sie von gewissen Kandidaten nur das positive und von anderen nur das negative berichten, bzw. alles entsprechend einfärben. Dasselbe, was bei uns „kulturelle Bereicherung“ genannt wird, wird bei den Tibetern „kultureller Völkermord“ genannt.
    Was fehlt, ist die Transparenz, dass ein Leser sich bewusst ist, dass wenn er bspw. den Tages-Anzeiger liest, eigentlich die Prawda von der Limmat liest und woher er die unterlassenen Informationen herkriegt, d. h. welche Medien ihm diese liefern würden.
    Diese Transparenz müssen wird, wie in jedem freien Markt endlich herstellen, sonst funktioniert nämlich dieser Markt, wie jeder andere freie Markt, nicht.
    Jedermann plappert den Satz nach, dass die Medien die 4. Macht im Staate seien, aber niemand unternimmt etwas, dass diese Macht endlich zum Wohle des Volkes gezähmt wird. Und mit kontrollieren meine ich keine sozialistischen Unterdrückungsmassnahmen.
    Übrigens zur Objektivität: Es gibt keine! Die Logik dahinter ist ganz einfach: Nur die Realität ist objektiv. Die Realität ist aber Trilliarden zu komplex um in einem Zeitungsartikel zusammengefasst zu werden. D. h. immer wenn wir etwas erzählen, in einem Medienbeitrag oder sonstwo, müssen wir immer Informationen weglassen. Welche wir weglassen bestimmt nachher die politische Orientierung unseres Beitrages.

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